Wie viel Feuchtigkeit entsteht in einer Wohnung?
Niemand kippt eimerweise Wasser auf den Wohnzimmerboden, und trotzdem gibt ein normaler Haushalt jeden Tag literweise Wasser an seine Luft ab — unsichtbar, als Dampf. Wenn du diese Bilanz einmal gesehen hast, lösen sich die halben Rätsel der Wohnungsfeuchte von selbst: die beschlagenen Scheiben, das klamme Schlafzimmer, die Wohnung, die sich ohne erkennbaren Grund „feucht anfühlt“.
Die Tagesbilanz
Alle Zahlen unten sind grobe Größenordnungen — die tatsächlichen Werte hängen an Gewohnheiten und Haushaltsgröße. Die Form der Bilanz stimmt trotzdem:
| Quelle | Ungefähr pro Tag |
|---|---|
| Atmen und Schwitzen (pro Person) | 1–1,5 l |
| Kochen (ohne Deckel, Nudelwasser sprudelnd) | 0,5–1,5 l |
| Duschen und Baden | 0,2–0,5 l pro Mal |
| Eine Maschine Wäsche drinnen trocknen | 1–2 l |
| Spülen, Pflanzen, Putzen, Aquarium | einige hundert Milliliter |
Für eine vierköpfige Familie landet man damit irgendwo bei 5 bis 10 Litern Wasser pro Tag, freigesetzt als Dampf. Ein bis zwei Eimer. Jeden Tag.
Warum die Luft das nicht schlucken kann
Hier ist der Punkt, den die meisten übersehen: Luft trägt erstaunlich wenig Wasser. Bei 20 °C fasst ein Kubikmeter Luft maximal rund 17 Gramm. Das gesamte Luftvolumen eines 20-Quadratmeter-Zimmers — sagen wir 50 Kubikmeter — kommt damit auf weniger als einen Liter, und das bei 100 % Luftfeuchte, also am Tropfpunkt.
Dein Haushalt produziert ein Vielfaches davon, jeden Tag. Die Luft ist kein Speicher, sie ist ein Förderband. Steht das Band still, wird der Dampf also nicht nach draußen transportiert, muss das Wasser woanders hin. Und dieses Woanders ist deine Wohnung selbst.
Wohin das Wasser geht, wenn es nicht raus kann
Ungelüftete Feuchte nimmt drei Ausgänge, alle drei unangenehm:
- Kalte Flächen. Der Dampf kondensiert an allem, was kälter ist als sein Taupunkt: zuerst an der Fensterscheibe, dann an kalten Außenwänden, Fensterlaibungen und der Wand hinter dem Kleiderschrank.
- Materialien. Putz, Holz, Textilien und Bücher nehmen Dampf auf und puffern ihn. Das versteckt das Problem für Wochen — und gibt es dann wieder ab, was mit ein Grund ist, warum Wohnungen im Herbst klamm werden.
- Schimmel. Dauerfeuchte Oberflächen sind ein offenes Buffet. Schimmel braucht keine Überschwemmung, nur eine Wand, die nie richtig abtrocknet.
Praktisch heißt das: Die Feuchte sammelt sich nicht dort, wo sie entsteht, sondern dort, wo es am kältesten ist. Der Dampf aus der Küche schlägt sich im ungeheizten Schlafzimmer nieder, wenn die Türen offen stehen.
Lüften ist der einzige Ausgang
Da die Quellen dein Leben sind — du wirst nicht aufhören zu atmen, zu kochen und zu duschen — liegt die Lösung auf der Abluftseite: die feuchte Raumluft regelmäßig gegen Außenluft tauschen, die weniger Wasser trägt. Drei Gewohnheiten decken das meiste ab:
- An der Quelle lüften, sofort: Dunstabzug oder weit offenes Fenster während und nach Kochen und Duschen, Tür zu, damit der Dampf nicht durch die Wohnung wandert.
- Ein paar kurze Durchlüftungen täglich — weit offen, Minuten statt Stunden.
- Große Einzelposten bewusst behandeln: Wäsche drinnen trocknen verdient einen eigenen Raum und eine eigene Routine.
Eine Einschränkung: „Außenluft, die weniger Wasser trägt“ ist absolut gemeint, in Gramm pro Kubikmeter, nicht als Prozentwert der relativen Luftfeuchte, deren Bedeutung sich mit der Temperatur verschiebt. Kalte Regenluft mit 90 % relativer Feuchte ist im echten Wassergehalt meist noch immer viel trockener als deine Küche beim Nudelkochen.
Lass die App mitdenken
Die täglichen Liter sind nicht verhandelbar. Die Frage ist, wann die Außenluft sie tatsächlich abtransportieren kann. Open/Shut vergleicht den echten Wassergehalt der Luft drinnen und draußen und sagt dir die Momente, in denen offene Fenster den Eimer wirklich leeren. Kostenlos, privat, ohne Konto.